Stadt Passau und NPD feiern die Sudetendeutsche Landsmannschaft
Ihr 60-jähriges Bestehen hat die Kreis- und Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) am Samstag, 19.7.08 im Festsaal des Glasmuseums im „Wilden Mann“ gefeiert. Kreisobmann Peter Pontz zeigte vor zahlreichen Besuchern – darunter Schirmherr OB Jürgen Dupper, der stellvertretende evangelische Dekan Dieter Martin, Schwester Mirjam Müller von den Deutschordens-Schwestern, Hermann Folberth vom Kreisverband des Bunds der Vertriebenen sowie Vertreter der Sudetendeutschen in Griesbach und Straubing – die Geschichte der Sudetendeutschen in Passau anhand von Jahreszahlen mit der „magischen Acht“ auf.
Schon nach dem 1. Weltkrieg und der Gründung der Tschechoslowakischen Republik im Jahr 1918 verließen rund 80 000 Sudetendeutsche ihre Heimat, um sich in Bayern anzusiedeln, auch in Passau. Mit dem Münchner Abkommen von 1938 kam das Sudetenland zu Hitlerdeutschland, Anlass für Flucht und Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg. Am 23. April 1948 gründete sich die Kreis- und Ortsgruppe der SL, die älteste in Niederbayern. Peter Pontz ehrte Hermine Wawretschka von der Kreisgruppe Vilshofen für ihre seit 60 Jahren währende Treue zur SL.
Das Jubiläum erinnere an ein dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, sagte OB Dupper. Er nannte Berichte über übervolle Lager mit 10 000 Flüchtlingen, Viehwaggons voller Menschen, die im Bahnhof standen oder menschenunwürdige Zustände in der Somekkaserne, dem heutigen Nikolakloster, in der damals 3000 Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht waren. Das Vertriebenendenkmal in Heining tue davon kund.
Die Sudetendeutschen, die ein großartiges kulturelles Erbe mitbrachten, gehörten heute zur kulturellen Landschaft in Passau. Die Stadt sei ihnen eng verbunden. Der frühere OB Dr. Emil Brichta sei einer der ihren gewesen. Dupper würdigte das Engagement von Peter Pontz, der sich seit 1964 aktiv für die SL einsetzt, mit einem Geschenk. Stellvertretender Landrat Josef Federhofer und Max Strecker, SL-Bezirksobmann, überbrachten ebenfalls Glückwünsche.
Auch wenn die Mitgliederzahl schwinde, seien die Ziele geblieben, sagte Strecker. Noch immer kämpfe man für die Beseitigung der Benes-Dekrete, um eine symbolische Wiedergutmachung und eine ehrliche Entschuldigung. Doch es habe sich schon vieles geändert. Es gebe keine Schlagbäume mehr, man könne frei nach Tschechien einreisen. Zeitzeugin Helga Heller erzählte über ihre erste Vertreibung, die sie als 17-Jährige in Nordböhmen erlitt. Ihre Mutter war bereits weg und zu Zwangsarbeit bei den Tschechen verpflichtet worden. Helga Heller kann die schlimmen Eindrücke,
zum Beispiel von einer Leibesvisitation, nicht vergessen. Heimat ist für sie kein Mehrzahlwort. „Es geht mir gut. Wir haben wieder etwas geschaffen. Ich wohne hier, aber meine Heimat ist in Nordböhmen.“
Hermine Wawretschka kam mit einem Transport im Viehwagen und bettelarm nach Passau. Sie freute sich, frei zu sein. Doch sie musste feststellen, dass sie hier nicht willkommen war. Es habe zehn Jahre gedauert, bis sie in ordentliche Wohnverhältnisse gekommen sei, schilderte sie. Sie schloss sich den Sudetendeutschen an und pflegte ihre Kultur. „70 000 Flüchtlinge strömten nach dem 2. Weltkrieg nach Passau“, berichtete Stadtarchivar Richard Schaffner. Es habe Ausgangssperre und Zwangsuntersuchungen auf Geschlechtskrankheiten gegeben. Er nannte die Namen bekannter und verdienter Sudetendeutscher, die sich in Passau niederließen: den Bonbonfabrikanten Hans Bentscha, die Malerinnen Helgard Beck und Paula Deppe, Alt-OB Brichta, Lehrer Karl Langer, Domorganist Walther R. Schuster, Glockengießer Rudolf Perner, Kunstmaler Dieter Stauber, aber auch Adalbert Stifter sowie Kulturpreisträger Walter Sturm und Albin Liebisch, einer der berühmtesten Motorradbauer, der die „Böhmerland“ produzierte.
Georg Höltl, Träger der Adalbert-Stifter-Medaille der Landsmannschaft, eröffnete die Feier mit einer Einführung in das wohl bedeutendste Denkmal von Böhmerwaldkunst, das Glasmuseum, das Gläserkunst aus drei Jahrhunderten zeigt. Die Sammlung sei ein eindrucksvolles Dokument dessen, was Sudetendeutsche leisteten, sagte Höltl. Das Blockflötenquartett von Heidrun Pontz von der Städtischen Musikschule aus Veronika Seibold, Katrin Hellauer, Katharina Schwarz und Karin Spechter umrahmte die Feier mit Melodien aus der „Böhmischen Reise“ von Ernst Kutzer.
Auch der NPD Kreisverband Passau nahm das Jubiläum zum Anlaß um bei der Feier mit Flugblättern auf die noch immer bestehenden Benesch-Dekrete hinzuweisen.
“FÜR HEIMAT UND MENSCHENRECHT
WEG MIT DEN BENESCHDEKRETEN!
Gebietsverlust des Sudetenlandes:
(die Randgebiete Böhmens und Mährens sowie Sudeten-Schlesien)
Das Sudetenland umfasst ein Territorium von 27.000 qkm. Es ist somit weitaus größer als die Bundesländer Schleswig-Holstein (15.721qkm), Saarland (2.571 qkm), Hamburg (755qkm), Bremen (404 qkm) und Berlin (891qkm) zusammengenommen (alle 4 Bundesländer = 20.342 qkm).Die Bevölkerung des Sudetenlandes mit ca. 3,5 Millionen war größer als die Einwohnerschaft der drei Bundesländer Saarland (1.042.100), Hamburg (1.571.300) und Bremen (654.200) zusammengenommen (3.267.600). Die Vertreibung der Sudetendeutschen entspräche der Deportation der gesamten Bevölkerung von Bolivien, Irland und Tunesien.
Man muss sich nur mal vor Augen führen, was diese Dekrete für Folgen hatten: Tschechischer Völkermord an über 270000 Sudetendeutschen! Tschechischer Raub und Enteignung von sudetendeutschem Eigentum! Vertreibung von über 3,5 Millionen Deutschen( die es überlebt hatten…) aus ihrer jahrhundertealten Heimat! Für dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit gab es bis 2008 noch keinerlei politische Entschuldigung der Politiker der Vertreiberstaaten. In den Vertreiberstaaten hofft man in einem sich einigenden Europa auf das völlige Aussterben der Opfergeneration, um der Erinnerung ein Ende zu setzen und die Verbrechen zu legalisieren. Und auch weiterhin sind in Prag die Benesch-Dekrete rechtsgültig!
HEIMAT – MEHR ALS NUR EIN WORT!”

Kreisobmann Peter Pontz (von links), Bezirksobmann Max Strecker, OB Jürgen Dupper, Zeitzeugin Helga Heller, Stadtarchivar Richard Schaffner, der ein Bild von einer „Böhmerland“ zeigt, Zeitzeugin Hermine Wawretschka, Josef Federhofer und Hermann Folberth vom Bund der Vertriebenen feierten das 60. Jubiläum der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Stadt und Landkreis.